Schmidt Theater & Schmidts Tivoli - Theater Gastronomie Hamburg Reeperbahn

10.06.2002 Taxiaxel und Konsorten

Zugegeben, Besitzer eines Autos zu sein, ist in Deutschland ein Muss. Allerdings ein teures Muss. Da meine anderen Müsser allerdings auch teuer sind (PC, CD, DVD und Gastronomie) muß ich auf dieses Muss (das Auto!) verzichten.

Stadt sei Dank gibt es ja noch Taxen. Doch eine Taxifahrt ist sehr oft auch eine Abenteuerfahrt. Am interessantesten ist es wenn man vom Hauptbahnhof startet. Ich verlasse den Zug, schleppe meine Koffer zum Kofferkuli und fahre schon etwas nervös zum Taxistand. Nervös, da ich ja weiß, dass ich nur bis zur Lübecker Str. fahre. Zielstrebig gehe ich auf das Taxigetümmel zu.

Doch dann macht sich sogleich die übliche Unsicherheit breit: In welches der in drei Reihen nebeneinander stehenden Taxis darf ich als zahlender Kunde einsteigen? Da gibt es Gesetze. Wagen Sie es nicht, die falsche Tür zu greifen. Sie werden von allen Seiten, in allen Sprachen dieser Welt (auch deutsch) darauf aufmerksam gemacht, welches Taxi Sie nehmen dürfen. Nix mit: "Was hätten Sie denn gern?"

Wichtig an dieser Stelle: Nicht widersprechen. Sonst wird Ihnen erklärt, was Sie sowieso nicht wissen wollen: "Das geht hier der Reihenfolge nach und jetzt ist DER dran!" DER fährt zwar ein Auto mit dem sie eigentlich nicht fahren möchten oder DER ist Ihnen unsympathisch, aber das ist alles egal.

Jetzt nur keinen Fehler machen. Sagen Sie erst wenn Sie sicher sitzen wo es hingeht. Bei meinem Ziel ist schon alles vorgekommen.
Sicher ist aber: Freundlich bleiben die Wenigsten.
"Zur Lübecker Str.? Da kann man ja zu Fuß hingehen!"
Sicher mit drei Koffern mache ich das mit links.
"Da hätten Sie das letzte Taxi nehmen sollen, der steht noch nicht so lange an!"

Sicher, aber man sagte mir DER ist dran!
Neulich nannte ich mein Ziel und es kam keine unfreundliche Antwort.
Wie außergewöhnlich - dachte ich. Aber dann geschah es. Mein Fahrer fuhr an den Kollegen vorbei, kurbelte sein Fenster herunter und schrie: "Ich hab die Arschkarte. Geht nur in die Lübecker!"

Ist Ihnen werter Leser schon mal aufgefallen, dass jedes dritte Taxi knobt. Nicht nur das. Jedes Taxi hat quasi einen Eigengeruch. Okay Knoblauch ist dabei die häufigste Variante. Manchmal wird das Einsteigemanöver zu einem Trip ins Ungewisse. Zigarren-, Pfeifen- oder Zigarettenrauch trüben die Sicht zum Fahrer. Am schlimmsten ist es jedoch für mich wenn Axel mitfährt. Meistens Herr Axel denn Frau axelt nicht so - ist mir aufgefallen. Da kann ich doch eigentlich froh sein, dass ich nicht so weit fahre. Man will die Beiden ja nicht stören.

Mir ist bekannt, dass sich schon viele Leute mit diesen Problemen beschäftigt haben. Nur müssen es die Falschen gewesen sein. Geändert hat sich nämlich nichts. Ein Lächeln, ein gepflegtes Äußeres und ein zuvorkommender Service vermehren die Kundschaft. Duftbäumchen und Mercedesstern hingegen sind nicht alles. Denn wie sagt Marie Johanna immer über ihre ärgste Feindin mit den blauen Haaren: "Nur weil sie 4711 trägt, wirkt sie nicht freundlicher!"

Euer Kay