Schmidt Theater & Schmidts Tivoli - Theater Gastronomie Hamburg Reeperbahn
...jaja...aber ich fand mich schick

19.01.2005

Zugegeben… über Geschmack kann man streiten. Wundern wir uns nicht immer aufs Neue, wenn wir Fotos von vorgestern sehen und feststellen müssen wie sch wir darauf aussehen? Es ist interessant! Jedes Mal, wenn ich mir etwas zum Anziehen kaufe, habe ich diese Bilder im Kopf. Bilder, welche sich fast magisch in Textrollen verwandeln, die sich vor meinem inneren Auge langsam preisgeben und unmissverständlich feststellen: "Heute sieht's gut aus, aber morgen, ja morgen setzt du dich dem Gespött einer neuen Generation aus. So etwas habt Ihr damals getragen?" Es tröstet mich, dass ich aufgrund fortschreitender Reife (das Wort ALTER sei hier bewusst vermieden) eine gewisse Gleichgültigkeit empfinde. Nein, ich spüre sogar ein bisschen Schadenfreude, wenn ich mir ausmale, dass eben jede Generation ihren Kindern Bericht geben muss, wie es zu solchen Entgleisungen kam. Man denke nur an die vielen Väter, die in 15 Jahren ihren Kindern erklären müssen, warum sie diese Schirmmützen immer schief trugen.

Interessant hingegen ist die Tatsache, dass man manche Geschmacksverirrungen vermeiden könnte, in dem man sich an deren Verbreitung nicht beteiligt. Dazu setzt man seine Sinne ein. Sieht, hört und das Wichtigste: denkt sich etwas dabei - zum Beispiel, was tue ich meinen Mitmenschen an, wenn ich den Run auf ein wirklich überflüssiges Produkt unterstütze. Der Mensch ist ein Herdentier. Alle ein Teil vom Ganzen… und alle diese Teile haben Dieter Bohlen zu dem gemacht, was er ist. Nun will es keiner gewesen sein. Alle Teile fügten sich zum "Ich guck Kängeruhhodenessen"-Publikum zusammen. Denn nur die Menge zählt. Wenn einer schaut, kann's nix sein. Deshalb motiviert man eben gaaaanz viele Teile und hat dann ein großes Ganzes… nicht falsch verstehen, jeder nach seiner Facon. Ich finde nur, in letzter Zeit kippt es ein bisschen zu Gunsten dummer Teilchen. Die blödesten Gags und der albernste Hit gewinnen. Das geschmackloseste Kleid wird am meisten fotografiert. Am Schönen schaut man vorbei und um den Mist kommt man nicht drum herum.

Henry Vahl sagte einst im Fernsehen: "Den Frieden in der Welt findet nur der, der Frieden im Herzen hat." Vielleicht ist das ja auch mit diesem Geschmacksthema so: Schöne Dinge sieht nur der, der schöne Dinge im Herzen hat. Nun, ich werde alle schönen Dinge in meinem Herzen nutzen, um Marie Johanna davon zu überzeugen, diesen albernen Schnippischnappsong nicht zu kaufen.

Bisinvierzehntagen Euer Kay