21.07.2004 Ich gebe mein Ehrenwort! Eheleute Ray
Zugegeben... man sollte Dinge die man sich vornimmt einhalten. Man sollte zu Ende bringen, was man anfängt. Man sollte Versprechen nie brechen. Immer an die Ehre denken. Werter Leser, sie wissen wovon ich spreche, zumal diese Kolumne in ihrer pünktlichen Erscheinung nicht zu überbieten ist.
Richtig! Sie erscheint eben nicht, wie irgendwann einmal angekündigt alle 14 Tage. Sie erscheint immer dann, wenn es etwas gibt, von dem ich denke, es ist wert die teuren Bytes auf dem Tivoli Server zu verschwenden.
Folgendes fiel mir auf. Worte wie: einhalten, durchhalten, nicht brechen gelten nur für primitiv abgesegnete Abkommen in der heutigen Gesellschaft. Wenn man seinen Kindern erzählt, man müsse Versprechen einhalten und sollte ein einmal gegebenes Wort nicht brechen, pflanzt man ein wichtiges Bäumchen in die Kinderstube der Kleinen.
Umso mehr ärgert es mich, wenn es dann von protzigen Geschäftsleuten wieder ausgerupft wird. Was soll ich meinem Kind sagen, wenn es mich fragt: "Papa, warum macht der Wirtschaftssenator von Bremen nicht mit seiner Arbeit weiter? Er hat doch einen Vertrag. Den darf man doch nicht brechen?" Als kluger Vater winde ich mich aus der Situation und antworte: " Weißt Du, ihm geht es gesundheitlich nicht gut, da darf man Versprochenes mal nicht einhalten!" Während ich mich drüber freue besagtes Kinderstubenbäumchen gedüngt zu haben, kommt der Todesstoß meins Sprösslings: "Es hat wirklich nichts damit zu tun das er ein 300 Millionen " Loch in die Finanzkasse Bremens mit diesem Spacepark gerissen hat?- Wie kommt mein Kind auf so etwas, frage ich Sie? Die Antwort liegt auf der Hand. In unserer Gesellschaft wird beschissen, was das Zeug hält. Alles wird versprochen, nichts gehalten. Es wird vertuscht, getäuscht und verschleiert. Das Schlimmste jedoch: Man schämt sich nicht mehr. Der Kinderstubenwald ist abgeholzt in den Köpfen derer, die sich vertraglich verpflichten, es dann aber nicht einhalten und sich mit Hilfe von Geld oder Attesten aus der Affäre stehlen. Ganz öffentlich
neulich im TV: "Herr Beckenbauer, kommt Herr Rehagel oder kommt er nicht?" Rehagel hat einen Vertrag. Wir wissen alle, dass er einen Vertrag hat. Also kommt er nicht, müsste die Antwort sein. Verträge bricht man nicht. (Außerdem wäre es witzlos, denn wenn die Deutschen die WM gewinnen würden, täten sie es nur aufgrund des Trainers - und anstatt der Griechen. Würde er bleiben, gewännen vielleicht die Griechen mit Trainer, aber doch nicht anstatt der Deutschen -
got me?) Wie dem auch sei - Antwort Beckenbauer: "Wir versuchen alles, ihn zu überzeugen, unsere Mannhaft zu trainieren." Will heißen: Wenn es nach uns geht, soll er seinen verpissten Vertrag brechen. Egal wie! Ob unsportlich wegstehlen oder mit viel Kohle. Unehrenhaft in Griechenland abdanken, einfach packen und gehen. Griechen halten doch auch nichts, was sie versprechen. Heutzutage verspricht man nur noch etwas, wenn man Kohle genug hat es sich leisten zu können, das Versprechen zu brechen. So ist es. Ich verspreche Ihnen, lieber Leser, dass ich in Zukunft diese ganzen Schachtelsätze weglasse und Marie Johanna schreiben lasse. Sie hat mir versprochen die nächsten 14 Tage abzuwaschen... hier riecht's nach Haschisch... na, wenn das man was wird!?
Bisinvierzehntagen Euer Kay