Die Besucher, die eine der zahlreichen Vorstellungen der Boulevardkomödie von Thomas Hermanns "Emmi - Die Salomé vom Spielbudenplatz" gesehen haben, werden sich sicherlich an die vielen spektakulären Kostüme von Volker Deutschmann erinnern, die zu tragen ich die Ehre und das Vergnügen hatte. Sicherlich werden Sie sich dann auch daran erinnern, dass die Umzüge meist recht schnell vonstatten gingen. Was auf der Bühne wie eine meiner leichtesten Übungen aussah, war in Wirklichkeit schwere Arbeit. Und dass diese so hervorragend gelang, war dem Einsatz eines einzigen Mannes geschuldet - Andreas Bierkamp. Er war bei dieser Produktion Mädchen für alles und dass ich den etwas fragwürdigen Titel "Du hast den schönsten Arsch der Welt" mit eingebautem Pogo jeden Abend wieder in meinem Lack-und Lederkostüm darbieten konnte - trotz klemmender Reißverschlüsse und verknoteter Haarteile - war allein sein Verdienst.
Geboren wurde Andreas in Celle, in der romantischen Herzogsstadt, einer, wie der verehrte Kollege Herr Heino zu sagen weiß, feminizistischen Stadt, in der Hengste sogar in Gestüten gehalten werden. Aufgewachsen ist er jedoch in Burgdorf, direkt an der niedersächsischen Spargelstraße. Ich habe leider verabsäumt, ihn zu fragen, ob Spargel immer noch zu seinen Leibgerichten gehört oder ob er sich eher an der symbolischen Kraft dieses Gemüses erfreut. Nach seiner Schulzeit absolvierte er seinen Zivildienst im Asylbewerberheim des DRK und es ist einer der merkwürdigen Zufälle des Lebens, dass er dort ausgerechnet meinen Mann kennen lernte. Bedauerlicherweise haben Zivildienstleistende wenig Befugnisse und so konnte Andreas Herrn Willnowsky nicht wieder zurück in die russische Steppe schicken. Mein Leben wäre in anderen Bahnen verlaufen! Obwohl, andererseits hätte mich Corny Littmann wahrscheinlich nie ohne meinen Mann engagiert. Ja, es stimmt, Herr Willnowsky musste viel einstecken, um im Schmidt Theater auftreten zu können!
Die an den Zivildienst anschließende Ausbildung an der Stage School brach Andreas nach eineinhalb Jahren aus freien Stücken ab - seinem Wunsch nach mehr Gesang wurde nicht nachgekommen. Am Hamburger Konservatorium ließ er sich zum Diplom-Musiklehrer ausbilden, doch dann zog es ihn wieder zum Gesang und in die Ferne. Er weihte im Show-Ensemble die AIDA-Aura musikalisch ein und nahm nach einem dreiviertel Jahr auf den Meeren dieser Welt zahlreiche Engagements an. Die Vielfalt ist beeindruckend - von einer Schlagerrevue mit dem Titel "Rote Lippen soll man küssen" über die Bibel-Show "Jesus Christ Superstar" bis zum Kinderstück "Pippi Langstrumpf". Sein Traum, einmal im "Phantom der Oper" aufzutreten, ist bisher nicht in Erfüllung gegangen, immerhin hat er in der Neuen Flora beim "Phantom der Oper" im letzten Jahr der Laufzeit dieses Grusicals als Dresser auch dort für reibungslose Abläufe gesorgt.
Danach wechselte er ins Schmidt Theater und hat hier mit unendlicher Geduld viele Produktionen als guter Geist hinter der Bühne betreut. Seine Erfahrungen als Darsteller, Sänger und Diplom-Musiklehrer konnte er in die Regie-Assistenz des Schmidt-Erfolges "Karamba!" einfließen lassen. Und auch als Darsteller ist Andreas Bierkamp wieder gefordert - wenn Sie, liebe Zuschauer, mit ihren Kindern oder junggebliebenen Großeltern das Weihnachtsmärchen "Peter Pan" im Schmidt Theater besuchen, können Sie Andreas in wechselnden Rollen auf der Bühne erleben - als Nimmerland-Jungen, als Piraten und als Krokodil.
Hamburg ist seine Traum- und Wunschstadt. "Immer, wenn man über die Lombardsbrücke fährt", sagt er im persönlichen Gespräch mit seiner sanften, nach Lavendel und Oleander klingenden Stimme, "weiß man, man lebt in der richtigen Stadt." Es wäre noch so viel zu erzählen, von seiner Vorliebe für Hörbücher, obwohl er schon ganz gut lesen kann, seiner Liebe zu Opern von Ermanno Wolff-Ferrari - obwohl seine Lieblingsopern "Così fan tutte" und "Hänsel und Gretel" sind - und auch von seiner dunklen Seite, der Gier nach blutrünstigen Thrillern - obwohl sein Wesen Mord- und Totschlag diametral entgegengesetzt ist. Aber ein Rest von Geheimnis muss schließlich jeder Mensch behalten und, so fügt er mit einem verführerischen Augenaufschlag dem Ende unseres Gespräches hinzu, er sei "immer bereit für neue Abenteuer".